Jaeger-LeCoultre zeigt die siebte Kapsel von The Collectibles erstmals als Ausstellung — und wählt dafür Hongkong. Zehn restaurierte Zeitmesser aus der goldenen Ära der Uhrmacherei stehen ab sofort zum Verkauf, flankiert von der Weltpremiere des Calibre 101 Chain. Wer in dieser Woche in Hongkong ist, kommt gratis hinein.
Vom Verkaufsprogramm zur Ausstellung
The Collectibles gibt es seit einigen Jahren: ein hauseigenes Programm, mit dem die Manufaktur seltene Zeitmesser aus der eigenen Geschichte aufspürt, restauriert, zertifiziert und wieder in den Verkauf bringt. Bisher geschah das über Kapseln, die weltweit online erschienen. Die siebte Kapsel geht einen Schritt weiter und wird zum ersten Mal in physischer Form inszeniert — vom 13. bis 19. Oktober im Chater House in Hongkong, bei freiem Eintritt.
Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Hongkong gehört zu den dichtesten Sammlermärkten der Welt, und das Format der Ausstellung zielt genau auf dieses Publikum: Neben den zehn verkäuflichen Stücken zeigt die Maison acht Vintage-Modelle aus der eigenen Heritage-Sammlung, jeweils gepaart mit ihrem heutigen Gegenstück. 16 Uhren also, die den Bogen vom Original zur aktuellen Interpretation schlagen.
© Jaeger-LeCoultre — Die Duoplan-Linie: Miniaturisierung ohne Verlust an Ganggenauigkeit
Vier Kapitel, vier Erfindungen
Die Ausstellung gliedert sich entlang der vier Linien, die Jaeger-LeCoultre im 20. Jahrhundert geprägt haben:
- Duoplan — 1925 eingeführt, löste das Problem, Miniaturisierung mit Ganggenauigkeit zu vereinbaren. Daraus entstand 1929 das Calibre 101, bis heute das kleinste mechanische Handaufzugswerk der Welt und das älteste ununterbrochen gefertigte Kaliber des Hauses.
- Reverso — 1931 für britische Polospieler in Indien entwickelt, mit dem patentierten Wendegehäuse zum Schutz des Zifferblatts. Farbige Zifferblätter, Staybrite-Stahl und der gravierbare Gehäuseboden machten daraus eine Art-déco-Ikone.
- Memovox — 1950 vorgestellt, integrierte einen mechanischen Wecker ins Armbanduhrwerk. Ab 1957 kam der Automatikaufzug dazu, später Kalenderfunktionen.
- Precision — die Linie der Ganggenauigkeit, vom Triple Calendar von 1942 über Geophysic und Geomatic bis zur hochfrequenten Memovox Speed Beat GT.
Die Weltpremiere: Calibre 101 Chain
Das eigentliche Novum der Woche ist keine Vintage-Uhr, sondern eine Neuheit. Das Calibre 101 Chain fasst das kleinste rechteckige mechanische Handaufzugswerk der Welt in einen skulpturalen Armreif aus 18 Karat Roségold. Diagonale Bänder aus Brillanten wechseln sich ab mit Bahnen aus tiefschwarzem, glänzendem Hyceram.
Interessant ist die Inszenierung: Die Maison stellt das Stück nicht allein aus, sondern direkt neben das Modell von 1955, das es inspiriert hat — und dieses historische Vorbild ist Teil der verkäuflichen Kapsel. Wer will, kann also das Original und seine Neuinterpretation nebeneinander sehen und sich für eines von beiden entscheiden.
© Jaeger-LeCoultre — Weltpremiere: das Calibre 101 Chain in Roségold, Diamanten und schwarzem Hyceram
Die zehn Stücke, die verkauft werden
Die Kapsel spannt einen Bogen von den 1930er-Jahren bis an den Beginn des 21. Jahrhunderts. Einige Höhepunkte:
Duoplan Chain, 1955
73,92 Gramm 18-karätiges Roségold, geschwungene polierte Glieder, darin das Calibre 403 — das ursprüngliche Duoplan-Werk für Damenuhren. Die Zeiger sind hitzegebläut, nach dem traditionellen Verfahren, bei dem die Farbe allein durch Erhitzen entsteht.
Duoplan Tubogas, 1949
Eine geheime Uhr: Das gerippte Roségold-Armband setzt sich in einem Deckel fort, der das Zifferblatt verbirgt, bis die Trägerin es zeigen will. Das Gehäuse aus Gelbgold kontrastiert bewusst mit dem Roségold des Armbands — Schmuckdesign der Vierzigerjahre in Reinform.
Calibre 101 im Art-déco-Gehäuse, um 1950
Die Zahlen erklären, warum dieses Kaliber bis heute unübertroffen ist: Das Platingehäuse misst 6,15 Millimeter in der Breite und 5,84 Millimeter in der Dicke. Besetzt ist es mit zehn Baguette-Diamanten, dazu kommen zwölf weitere in den beiden Ringen des Cordonnet-Armbands.
Reverso Cordonnet, 1931
Ein Stück Firmengeschichte: Dieses frühe Damenmodell trägt das Calibre T051 von Tavannes — im ersten Jahr der Reverso kaufte LeCoultre & Cie das Werk zu, weil die eigenen Formwerke für das rechteckige Gehäuse noch in Entwicklung waren.
Reverso Platinum Number 1 und Number 2, 2001 und 2003
Zwei auf je 500 Exemplare limitierte Platinmodelle. Die Nummer 1 zeigt ein skelettiertes Calibre 849R-SQ mit von Hand gravierten Brücken und beidseitig graviertem Federhaus. Die Nummer 2 ist das zurückhaltendere Stück — grau in grau, handgemalte Ziffern, Gangreserve koaxial angezeigt, und ein Tourbillon, das sich auf der Zifferblattseite nur über die kleine Sekunde verrät. Das Schauspiel bleibt der Rückseite vorbehalten. Beide tragen handgefertigte Cordovan-Bänder von Casa Fagliano.
Futurematic E502, 1958
Die seltenste Referenz unter allen Futurematic-Modellen, wegen ihrer beiden Fensterchen für Gangreserve und kleine Sekunde «Porthole» genannt. Die Futurematic kam 1951 als «erste vollautomatische Armbanduhr der Welt» und war konstruktiv bemerkenswert: Sie stoppt, bevor sie vollständig abgelaufen ist, und speichert genug Energie, um nach langer Ruhe bei der kleinsten Bewegung wieder anzulaufen.
Memovox Parking, 1958
Das vielleicht sympathischste Stück der Kapsel. Zum 125-Jahr-Jubiläum gebaut, mit einem Wecker, der sich auf 30, 60, 90 oder 120 Minuten stellen lässt — gedacht, um Parkbussen zu vermeiden. Funktionsgetriebene Uhrmacherei der Fünfzigerjahre, im 35-Millimeter-Stahlgehäuse.
© Jaeger-LeCoultre — Restauriert, aber nicht geglättet: Patina und Charakter bleiben erhalten
Warum das Restaurierungsatelier der eigentliche Kern ist
Was The Collectibles von einem gewöhnlichen Vintage-Handel unterscheidet, ist die Werkstatt dahinter. Jaeger-LeCoultre unterhält ein eigenes Restaurierungsatelier — eines der wenigen, die eine Manufaktur überhaupt noch betreibt. Zehn Uhrmacherinnen und Uhrmacher warten dort die Werke, bauen Komponenten von Hand nach und greifen auf historische Teilebestände zurück. Der erklärte Anspruch dabei: Charakter und Patina des Originals erhalten, statt die Uhr auf neuwertig zu trimmen.
Genau diese Arbeit macht die Ausstellung sichtbar. Ein Uhrmacher aus dem Manufacture-Atelier führt Restaurierungen live vor, dazu kommen Vorführungen des Hitzebläuens und des Zapfenpolierens. Zwei Podiumsgespräche mit internationalen Fachleuten und Matthieu Sauret, Product & Heritage Director des Hauses, ergänzen das Programm.
© Jaeger-LeCoultre — Jedes Stück kommt mit einem Auszug aus dem Firmenarchiv
Einordnung
Dass eine Manufaktur ihre eigene Vergangenheit zurückkauft, restauriert und erneut verkauft, ist inzwischen ein verbreitetes Modell — mehrere grosse Häuser betreiben inzwischen Ähnliches. Der Unterschied liegt im Detail, und bei Jaeger-LeCoultre ist es die Tiefe der Dokumentation: Jedes Stück kommt mit einem Auszug aus dem Firmenarchiv und einem Exemplar des Buchs zu The Collectibles. Für Sammler ist das mehr wert als jede Politur, weil die lückenlose Herkunft heute über den Wiederverkaufswert entscheidet.
Bemerkenswert ist auch die Auswahl selbst. Statt die üblichen Publikumslieblinge zu versammeln, geht die Kapsel in die Breite — von der Schmuckuhr über die geheime Uhr bis zur Parkuhr für den Alltag. Das zeichnet ein ehrlicheres Bild dieser Epoche als eine Reihe von Reverso-Varianten es könnte.
Praktisches
Die Ausstellung läuft vom 13. bis 19. Oktober im 1. Stock des Chater House in Central, Hongkong. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag von 11 bis 19 Uhr, an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Für Führungen ist eine Anmeldung nötig.
Die zehn Zeitmesser sind ab dem 13. Oktober weltweit über jaeger-lecoultre.com erhältlich sowie vor Ort in der Boutique während der Ausstellungsdauer. Preise nennt die Maison nicht öffentlich — bei museumsreifen Einzelstücken ist das üblich und bedeutet in der Praxis: auf Anfrage.