Wer in diesem Sommer ohnehin durch Basel schlendert, sollte einen Umweg ans Kunstmuseum einplanen – und zwar bald. Noch bis zum 23. August 2026 zeigt das Haus am Rhein mit „Helen Frankenthaler“ die bislang umfassendste Retrospektive der amerikanischen Künstlerin in Europa. Es ist zugleich ihre erste institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz – ein Umstand, der angesichts ihrer Bedeutung für die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts fast überrascht.
Wer war Helen Frankenthaler?
Helen Frankenthaler (1928–2011) zählt zu den zentralen Figuren des amerikanischen Nachkriegs-Abstrakten Expressionismus. Mit ihrer sogenannten Soak-Stain-Technik – stark verdünnte Farbe wird direkt auf ungrundierte Leinwand gegossen und dringt in das Gewebe ein, statt darauf zu liegen – revolutionierte sie ab Mitte der 1950er-Jahre die abstrakte Malerei und gab den entscheidenden Impuls für die Entwicklung des Colour Field Painting in den USA. Ihre grossformatigen, intensiv farbigen Leinwände wirken schwerelos, fast atmosphärisch – Nähe zur Aquarellmalerei trotz Ölfarbe und später Acryl.
Was die Ausstellung zeigt
Mehr als fünfzig Arbeiten aus sechs Jahrzehnten geben in Basel einen aussergewöhnlich dichten Einblick in Frankenthalers Schaffen – von den frühen, bahnbrechenden Soak-Stain-Bildern der 1950er-Jahre bis zu den späten, reduzierteren Kompositionen. Ein besonderer Schwerpunkt der Schau liegt auf Frankenthalers intensiver Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Einflüssen vom 15. bis 20. Jahrhundert – einige dieser Referenzwerke werden erstmals gemeinsam mit ihren eigenen Arbeiten gezeigt und eröffnen so einen neuen Blick auf eine Künstlerin, die oft vor allem als Kolorist rezipiert wurde.
Warum sich der Besuch lohnt
Basel im Sommer ist ohnehin ein Fixpunkt für Kunstinteressierte – doch während die grossen Messen und Sammlerkreise sich längst auch Richtung Golfregion orientieren (Art Basel und Frieze bauen 2026 ihre Präsenz in Katar und Abu Dhabi weiter aus), bleibt die institutionelle Substanz der Stadt an Rhein und Museumsmeile ungebrochen stark. Die Frankenthaler-Schau ist ein Paradebeispiel dafür: Sie erfordert keine Messepass, keine Warteliste – nur Zeit und ein offenes Auge für Farbe, die auf den ersten Blick spielerisch, bei näherer Betrachtung aber hochpräzise komponiert ist.
Für Sammler und Kenner ist der Basel-Termin zudem eine seltene Gelegenheit, Frankenthalers Werk im direkten Dialog mit ihren historischen Referenzen zu erleben – eine kuratorische Entscheidung, die über die reine Retrospektive hinausgeht und die Ausstellung auch für Wiederholungsbesucher der grossen Basler Häuser interessant macht.
Gut zu wissen
- Ort: Kunstmuseum Basel
- Laufzeit: noch bis 23. August 2026
- Umfang: über 50 Werke aus sechs Jahrzehnten
- Besonderheit: erste institutionelle Einzelausstellung Frankenthalers in der Schweiz, grösste Retrospektive Europas
Wer die Ausstellung noch sehen möchte, sollte sich sputen – die letzten August-Wochenenden dürften entsprechend gefragt sein.